Über das Projekt
10/10/2011

Landwirtschaft ist mehr als ein Wirtschaftszweig

Sie erzeugt nicht nur Nahrungsmittel und andere Rohstoffe, sondern schafft Arbeitsplätze, nutzt, pflegt und erhält Ökosysteme, bildet eine wichtige Stütze für Wirtschaft und Kultur in den ländlichen Räumen. Diese multifunktionale Bedeutung der Landwirtschaft spielt auf dem Weltmarkt für Agrarprodukte keine Rolle. Dort zählen nur Handelsbilanzen und Gewinnaussichten.

Das Ecofair Trade Dialogue Project möchte die Debatte um einen nachhaltigen und gerecht gestalteten Agrarhandel fördern. Gemeinsam mit unseren Botschaftern und Botschafterinnen aus Burkina Faso, Indien, Kenia und den Philippinen wollen wir Öffentlichkeit und politische Entscheidungsträger in der EU auf die verheerenden Auswirkungen der Handelsabkommen und der EU-Agrarpolitik aufmerksam machen und Alternativen aufzeigen.

Es ist höchste Zeit

Seit den 80er Jahren haben internationale Organisationen die Regierungen des Südens gedrängt, die Förderung ihrer Landwirtschaft abzubauen und ihre Märkte für Lebensmittelimporte zu öffnen. Seitdem verdrängen Billigimporte - unter anderem aus der EU - viele Bauern von ihren Märkten. Immer mehr Landwirte geben ihren Beruf auf und ziehen in die Slums der Großstädte. Viele Länder geraten durch den Niedergang der Landwirtschaft in eine gefährliche Abhängigkeit von Lebensmitteleinfuhren. Als 2008 die Agrarpreise auf den Weltmärkten in die Höhe schnellten, wurden diese Einfuhren oft unerschwinglich. Die Folge: Die Anzahl chronisch unterernährter Menschen stieg 2009 um 150 Millionen auf über eine Milliarde Menschen an. Ein historischer Höchststand.Mit Hilfe von Handelsabkommen und – nach wie vor – von Subventionen will die EU ihre Agrarexporte weiter steigern. Wir fordern ein Ende dieser Politik.

Unsere Forderungen

Nachhaltige Landwirtschaft und Ernährungssouveränität sind unsere Alternativen zur industriellen, exportorientierten Agrarpolitik der EU. Wir teilen diese Perspektive mit zahlreichen Kleinbauernorganisationen und AgrarexpertInnen aus dem Süden, die einer ökologischen, regionalen und kleinteiligen Landwirtschaft den Vorzug geben. Um dieses Ziel zu erreichen, muss sich die EU-Agrarpolitik ändern. Öffentliche Gelder für Landwirtschaft sind begrüßenswert, solange sie nicht zu Dumpingexporten führen. Die Agrarpolitik muss sozialen, menschenrechtlichen und ökologischen Belangen untergeordnet werden. Deswegen ist es notwendig, dass die Zielländer der EU-Exporte wieder den Spielraum erhalten, nach eigenem Ermessen Importzölle auf Agrarprodukte zu erheben. Es ist unerlässlich, Landrechte zu schützen und zu stärken, sowie den Zugang zu Wasser und lokal angepasstem Saatgut für die Kleinbauern abzusichern. Agrarrohstoffe gehören nicht als Benzinersatz in den Autotank, Ackerland nicht an die Börse. Sie sollen der Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung dienen

Dialog – nicht Monolog

„Europäisch denken bedeutete bis 1945, mehr oder weniger kolonialistisch denken. Ich glaube, hierzu sollte man auch einmal die Völker Afrikas, Südamerikas und [...] Asiens befragen. Wir haben uns auf unser Denken immer ein bisschen zu viel eingebildet. Wir brauchen heute ein ganz neues europäisches Denken.“ Heinrich Böll anlässlich der ersten Direktwahlen zum Europäischen Parlament im Saarländischen Rundfunk, 1984.

Besonders deutlich ist der Interessengegensatz zwischen den ehemaligen Kolonialländern und der Europäischen Union in der Frage des weltweiten Agrarhandels. Deshalb haben wir diese Anregung von Heinrich Böll im Projekt „Ecofair Trade Dialogue“ aufgegriffen. Wir wollen nicht über die Köpfe der Bevölkerung hinwegreden, sondern mit ihnen in einen Dialog treten. Seit 2005 fanden deshalb Regionalkonsultationen auf allen Kontinenten statt, mit wissenschaftlichen Instituten, Kleinbauern- und Landlosenorganisationen. Gemeinsam haben wir Strategien entwickelt, wie der Agrarhandel an den Zielen der Menschenrechte, ökologischer Nachhaltigkeit und der Ernährungssouveränität ausgerichtet werden kann. Dafür wollen wir die europäische Öffentlichkeit und politische Entscheidungsträger als Mitstreiter gewinnen.

 

Events

Internationale Konferenz: Agriculture in Transition - Strategien für ökologische und faire Investitionen in der Landwirtschaft
Workshop zum Thema "EU-Indien Freihandelsabkommen: Für wen?" in New Delhi
Demo: Bauernhöfe statt Agrarindustrie am 21.Januar 2012