"Reichtum" - David Schittek (EcoFair Media)
19/10/2015

Der dokumentarische Kurzfilm "Reichtum" von David Schittek ist eines von sechs Gewinnerprojekten der Ausschreibung "EcoFair Media – Gutes Essen für alle!", die sich inhaltlich und künstlerisch mit dem Thema Menschenrecht auf Nahrung auseinandersetzen. Die Präsentation der Projekte findet im Rahmen der Alternativen Grünen Woche am 16. Januar 2016 um 16 Uhr in der Heinrich-Böll Stiftung in Berlin statt.

Kurzbeschreibung

Tobias ist vor einiger Zeit von Berlin ins nördliche Brandenburg gezogen. Das Bedürfnis sein eigenes Gemüse anzubauen, Tiere zu halten und ein langsameres Leben zu führen, haben ihn hierher getrieben. Aktuell befindet sich Tobias in seiner „Aufbauphase“. Er hat ein Stück Land urbar gemacht und bereitet die Auspflanzung von Tomaten, Kartoffeln etc. vor. Außerdem stellt er sich immer mehr die Frage, ob er seine eigenen Tiere schlachten kann. Denn den mehrheitsgesellschaftlichen Umgang mit dem Fleischessen findet Tobias mehr als schizophren: „Im Supermarkt Antibiotika-Fleisch kaufen und sich dann aufregen und Leserbriefe schreiben, wenn im ‚Fernsehfilm der Woche’ ein Huhn geschlachtet wird. Wenn ich nicht selbst schlachten kann, werde ich eh Vegetarier“ meint er. Der Dokumentarfilm „Reichtum“ beobachtet Tobias in seinem Alltag und wirft die Frage auf, ob man essen kann, was man liebt.

Eintrag I

[Bilder: Malte Eiben (Ton), Tobias Wilhelm (Protagonist), David Schittek (Regie+Kamera)]

Ankommen. Tobias war den ganzen Tag über nicht erreichbar und auch auf unser Klopfen an der Tür reagiert niemand. Nur die Enten schnattern und der Hase schaut interessiert, als wir den Hof betreten und in den Schuppen nach unserem Protagonisten Ausschau halten. Ich rechne langsam mit dem Schlimmsten, als wir Tobias hinten über das Feld kommen sehen. Er trägt eine Anzugshose, schicke Schuhe und eine Jacke mit Kunstpelzkragen. Auf unsere fragenden Blicke erwidert er nur: „Mir ist heute halt feierlich zumute“. Er beharrt darauf, dass wir uns vor dem Abendessen auch in Schale schmeißen. „Aus meiner Berghainzeit ist noch einiges da“ meint er und weist auf seinen Kleiderschrank.

Eintrag II

[Bild: Tobias und Hase]

Gestern war der Hase verschwunden. Tobias und die Nachbarstochter liefen mit Taschenlampen herum und riefen laut seinen Namen. Auch wenn Tobias dies alles mit einem ironischen Grinsen tat, merkte man, dass ihm der Hase sehr am Herzen liegt.

Schließlich begann es zu regnen und die Beiden brachen die Suche ab. Am nächsten Morgen ist Olaf wieder da und hoppelt über den Hof. Als er Tobias sieht rennt er auf ihn zu und setzt sich auf seinen Fuß.

Eintrag III

[Bild: Tobias am Briefkasten]

Ein fremdes Auto holpert die Dorfstraße entlang. Am Fenster gegenüber taucht das Gesicht der Nachbarin hinter der Gardine auf, ihre Augen folgen dem Wagen, der in die Einfahrt anderer Nachbarn einbiegt. Als der Tonmann und ich über diese typische Dorfszene lachen müssen, lacht Tobias nicht mit. Was wir noch nicht wissen: Er hat den skeptischen „was-will-der-hier?“-Blick auch schon perfektioniert.

David Schittek

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