"Our Daily Bread" – Pavel Ruzyak (EcoFair Media)
19/10/2015

Der Kurzfilm "Our Daily Bread" von Pavel Ruzyak ist eines von sechs Gewinnerprojekten der Ausschreibung "EcoFair Media – Gutes Essen für alle!", die sich inhaltlich und künstlerisch mit dem Thema Menschenrecht auf Nahrung auseinandersetzen. Die Präsentation der Projekte findet im Rahmen der Alternativen Grünen Woche am 16. Januar 2016 um 16 Uhr in der Heinrich-Böll Stiftung in Berlin statt.

Der Kurzfilm „Our Daily Bread“ zeigt einen Tag im Leben einer jungen Mutter, die im Ausland in einer Fabrik für Delikatessen arbeitet, während sie den Unterhalt für sich und ihr Kind kaum bestreiten kann.

Dokumentarfilme, die sich mit humanitären Fragen und sozialkritischen Themen beschäftigen, haben mich schon immer interessiert, und ich habe bereits einige eigene Dokumentarfilme in diesem Themenbereich realisiert. Aber mein Hauptgebiet ist der Spielfilm, weswegen ich mich dafür entschieden habe, das Thema „Gutes Essen für alle!“ in einem Spielfilm zu verwirklichen, der dokumentarische Aspekte beinhaltet. Auf diese Weise konnte ich die Themen von Menschenwürde und das Paradox der heutigen Ernährungssituation klarer und direkter umsetzen. Ich habe mich für die wahre Geschichte einer Familie, die das Leben Tag für Tag meistern muss, entschieden, weil ihre Realität alarmierend ist.

Ich denke, es ist wichtig, dem Publikum Dinge zu zeigen, die üblicherweise entweder nicht beachtet werden oder unsichtbar sind. Diese Art von Bildung vergrößert hoffentlich das Bewusstsein dafür, sich verantwortlich und mitmenschlich zu verhalten. Auch wenn die Auswirkungen unseres Verhaltens vielleicht nicht sofort deutlich sein mögen, ist es die einzige Möglichkeit, eine gerechtere Gesellschaft aufzubauen. Essen spielt eine essentielle Rolle in unserem Leben und ist mit vielen Aspekten unserer Gesellschaft – wie etwa unseren Rollen als Arbeiter/innen und Konsument/innen – verknüpft. Indem wir ungesunde, süchtig machende und überteuerte Lebensmittel produzieren, schaffen wir eine Gesellschaft mit ähnlichen Eigenschaften. Indem wir diese Art von Lebensmitteln akzeptieren, akzeptieren wir eine ungerechte Gesellschaft.

Es ist wichtig, zu verstehen, dass das Menschenrecht auf Nahrung für alle gilt, weil es letztendlich das Recht auf Leben bedeutet. Indem wir eine Gesellschaft aufbauen, in der das Menschenrecht auf Nahrung tatsächlich – und nicht nur theoretisch – für alle gilt, und indem wir die negativen Aspekte unseres heutigen Lebens benennen, können wir diese Probleme überwinden und gemeinsam eine bessere Zukunft erschaffen. Die Verantwortung dafür trägt die Gesellschaft als ganze und jede/r von uns. Dieses sind die Themen, mit denen ich mich in meinem Film auseinandersetze und mit diesem Film möchte ich dabei helfen, die Gesellschaft zu verbessern und andere anregen, selbst aktiv zu werden.

Beilin Liu, die die Hauptfigur in meinem Film spielt, habe ich zufällig gefunden. Sie ist keine professionelle Schauspielerin, aber sie hatte ein großes Verständnis für die Rolle. Trotzdem diese Rolle schwer ist und wir für die Dreharbeiten in der Fabrik nicht viel Zeit hatten, wusste sie genau, wie ich mir die Mutter und Arbeiterin vorstellte. Ich habe in Schulen nach einem Jungen gesucht, der die Rolle ihres Sohnes übernehmen kann, auch Freunde und Familien gefragt, und letztendlich Kim Do gefunden, der perfekt passte. Wirklich schwierig war es, die Drehorte zu finden, vor

allem die Fabrik. Eine Menge Fabriken haben unsere Anfrage mit ziemlich vielen Entschuldigungen abgelehnt. Ich war schon sehr verzweifelt, als wir endlich die Nachricht bekamen, dass eine große Prager Fabrik in die Dreharbeiten einwilligte. Die dreitägigen Dreharbeiten in dieser Fabrik waren dann alles andere als leicht – in der Bäckerei war es wahnsinnig heiß und es gab sehr viele Hygienevorschriften. Aber alle Beteiligten inklusive das Management der Fabrik waren sehr kooperativ und freundlich. Die Arbeiter/innen zeigten Beilin Liu die einzelnen Arbeitsschritte und brachten ihr die technischen Abläufe bei. Um die Arbeiter/innen nicht zu sehr zu stören, drehten wir mit einem sehr kleinen Team. Auch die Kinder in der Schule waren sehr kooperativ, und wir hatten jede Menge Spaß mit ihnen. Wir drehten überwiegend während ihres tatsächlichen Unterrichts, aber es gibt auch Szenen, die die Lehrerin für uns inszeniert hat.

Pavel Ruzyak

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