"Ackerbunt" – Jakob Fuhr, Christine Anas, Elisabeth Weydt (EcoFair Media)
15/10/2015

Die multimediale Scroll-Dokumentation "Ackerbunt" von Jakob Fuhr, Christine Anas und Elisabeth Weydt ist eines von sechs Gewinnerprojekten der Ausschreibung "EcoFair Media – Gutes Essen für alle!", die sich inhaltlich und künstlerisch mit dem Thema Menschenrecht auf Nahrung auseinandersetzen. Die Präsentation der Projekte findet im Rahmen der Alternativen Grünen Woche am 16. Januar 2016 um 16 Uhr in der Heinrich-Böll Stiftung in Berlin statt.

„Ackerbunt“ von Jakob Fuhr, Christine Anas und Elisabeth Weydt erzählt die Erfolgsgeschichte der Quechua-Bauern im südperuanischen Hochland, die ihre alten Landwirtschaftstraditionen wiederbelebt haben und damit nicht nur dem Klimawandel trotzen, sondern auch unabhängig vom Markt und von Hilfsgeldern geworden sind.

Ein kleiner Garten Eden auf 3.000 Metern Höhe

Wir wussten nicht allzu viel von den Quechua-Schwestern und ihren Feldern mit mehreren hundert Sorten Kartoffeln auf 3.000 Metern Höhe. Aber allein, dass sie mehrere hundert Sorten Kartoffeln auf 3.000 Metern Höhe wachsen lassen konnten, wo doch alle anderen über ausgelaugte Böden und den Klimawandel klagten, versprach eine spannende Geschichte. Der Email-Kontakt im Vorfeld war spärlich. Wir wussten, die Felder waren irgendwo in der Nähe von Ayacucho, sie waren einverstanden, dass wir kommen und  höchstwahrscheinlich war dann Erntezeit.

Es war tatsächlich Erntezeit und der Beginn von knapp 14 Tagen Pellkartoffeln mit Käse. Äußerst köstlichen Pellkartoffeln mit äußerst köstlichem Käse. Hin und wieder gönnten wir uns dann aber doch ein wenig Abwechslung im ersten Touri-Restaurant am Plaza von Ayacucho.

Magda und Marcela haben uns warmherzig empfangen und uns durch ihr kleines Reich kutschiert. Wir verbrachten mehrere Tage oben in den Anden. Tagsüber lernten wir etwas über ihre traditionellen Anbaumethoden und ihre Geschichte, nachts bestaunten wir den Sternenhimmel, und versuchten unter zehn Alpaka-Decken trotz unglaublicher Kälte ein bisschen Schlaf zu finden. Wir wunderten uns über die Energie der Machaca-Schwestern, die kaum zu schlafen schienen und für jeden, den sie trafen, ein paar warme oder neckische Worte übrig hatten. Marcela, die Herbe, und Magda, die Mädchenhafte, die sich perfekt ergänzen und vielleicht deshalb nie geheiratet haben.

Wir durften am Wasserfest teilnehmen, einem Fest zu Ehren von Pachamama und Mama Agua. Um 2 Uhr nachts sind wir dafür in der alten Kolonialstadt Ayacucho aufgebrochen und mit dem Geländewagen hoch in die Berge gefahren. Auf der Ladefäche ein riesiger Topf mit Quinoa-Suppe, den die Schwestern am Abend zuvor gekocht hatten. Auf der Rückbank drei Schwestern und eine Autorin. An den Polizeikontrollen musste sich immer eine im Fußraum unter der Decke verstecken. Oben angekommen gab es dann drei Teller Suppe zum Frühstück und mehrere Gläschen Schnaps, auf dass Pachamama auch in den nächsten Jahren noch weiter Wasser und Fruchtbarkeit bringe.

Wir lernten, dass das Besondere gar nicht die 400-irgendwas Sorten Kartoffeln waren, die sie hier oben anbauten, sondern die Gemeinschaft und die selbst angelegten Lagunen, ohne die es diese vielen Sorten an Kartoffeln, Quinoa, Mais und anderen Pflanzen gar nicht gebe. Die Quechua-Schwestern haben Wasser wachsen lassen. Dann erst kam das ganze Gemüse. Fast ein bisschen wie der Liebe Gott - nur in echt. Das hat uns dann ein bisschen ehrfürchtig gemacht.

Zurück in Deutschland und Österreich haben wir dann versucht unsere Eindrücke auf die anderen Team-Mitglieder zu übertragen: Die Illustratorin, die Musiker und den Programmierer. Und tatsächlich sind alle angefixt und arbeiten daran, dass es eine stimmige Geschichte wird. Wir skypen, schicken uns Dateien hin und her und treffen uns manchmal sogar.

Jakob Fuhr, Christine Anas, Elisabeth Weydt

 

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